Der Anlass

1615, am Sonntag vor dem Pfingstfest, hatte Graf Ernst zu Holstein-Schaumburg mit der Einweihung der Stadtkirche den Bückeburgern den neuen Mittelpunkt ihres geistlichen Lebens gegeben. In ihrer Ausstattung hatte sie dem erwarteten Wachstum der Stadt und den repräsentativen Bedürfnissen des Hofes Rechnung zu tragen.

Sie sollte ein EXEMPLUM RELIGIONIS NON STRUCTURAE - ein Beispiel der Gottesverehrung, nicht der menschlichen Baukunst sein. Sein Ansinnen ließ der Graf in Worte fassen, deren goldene Anfangsbuchstaben auch ihm dem Erbauer ein Denkmal setzten.

Im Sommer 2015 werden die laufenden Restaurierungsarbeiten an der Fassade der Kirche abgeschlossen. Aber schon zum Fest im Mai wird die Jubilarin befreit vom Gerüst mit verjüngtem Gesicht der Stadt zulächeln.

Die Festidee: Bückeburg feiert

Seit dem Ausbau Bückeburgs zur Residenzstadt durch Graf Ernst gehören Stadt und Kirche zueinander. Seinerzeit personell nahezu deckungsgleich, besteht auch in der heutigen konfessionellen, religiösen und weltanschaulichen Pluralität ein hohes Maß an Zusammengehörigkeit und konstruktivem Miteinander von Bürgerschaft und Kirchengemeinde.

Auf dieser Basis feiert Bückeburg zum 400. Geburtstag seiner Stadtkirche ein Fest und lädt dazu Gäste von nah und fern ein. Die Ev.-luth. Kirchengemeinde hat den Impuls zu diesem Fest gegeben und hat die Vereine, Verbände, Institutionen, kirchliche und religiöse Gemeinschaften der Stadt sowie Initiativen von Freundeskreisen und Nachbarschaften um Mitgestaltung der kirchlichen Festwoche vom 14. bis 23. Mai gebeten. 

Dass ganz Bückeburg den 400. Geburtstag seiner Stadtkirche feiert und einlädt zeigt sich eindrucksvoll in der Veranstaltung eines „Bürgermahls“: mehr als 40 Vereine, Einrichtungen, kirchliche Gruppen, auch die Stadt selbst, haben bereits zugesagt, mehrere Tische vor der Stadtkirche zu decken, für Essen, Trinken und Unterhaltung zu sorgen, und die Hälfte der Plätze für die noch nicht bekannten Gäste zu reservieren, die beispielsweise nach dem Festakt aus der Kirche strömen. Viele Bückeburger Chöre, musikalische Ensembles und Musikschaffende gestalten die weiteren Höhepunkte der kirchlichen Festwoche mit.

Das Motto: Erbauung erleben

„Erbauung erleben“ steht über dem Fest. Daneben steht eine stilisierte Volute. Ihre Form erinnert an eine Schnecke oder an eine Spirale, ein altes Symbol des Lebens, das häufig als Ornament zu finden ist in der Bauzier der Fassade und im Innenraum der Stadtkirche.

Leben ist mehr als Vitalität und zufälliges Wachsen lebendiger Wesen und Formen. Leben wird bewusst gestaltet, wird „gebaut“. Aus Glauben hatte der damalige Graf und spätere Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg von schön behauenem Obernkirchener Sandstein die Stadtkirche erbauen lassen. Das menschliche Gemüt aber sollte erbauen, erheben, erfreuen und beleben, was in der Kirche und um das schöne Gebäude herum und in der Stadt geschieht.

Die Wortmarke „Erbauung erleben“ spielt auf die verschiedenen Aspekte des Jubiläums an: seinen Anlass, die Erbauung der Stadtkirche im Jahr 1615 – die „Erbauung“ einer durch die Reformation geprägten Gesellschaft unter der Herrschaft der Schaumburger und später der Schaumburg-Lipper Grafen und Fürsten – das Erbauende eines Festes für die Gemeinschaft der Feiernden: Gaumenfreuden, Musikgenuss, Bildung, Erlebnis der Zusammengehörigkeit, Wir-Gefühl – schließlich: Gemeinsam erbauen Bückeburger Bürgerinnen und Bürger einander, indem sie weiterbauen auf den Fundamenten der christlichen Religion an einer menschenfreundlichen Kultur in einer lebenswerten Stadt. Und natürlich nimmt „Erbauung erleben“ auch die Inschrift der Fassade auf: Exemplum Religionis Non Structurae – ein Beispiel der Gottesverehrung, nicht der Baukunst. Nicht als Baudenkmal steht die Stadtkirche im Focus, sondern als Zeichen des zu allen Zeiten Kultur bildenden und erbauenden Geistes der christlichen Religion.